Rezension: Anklage von John Grisham

Donnerstag, 5. März 2015| | 0 Kommentare

John Grisham - Anklage



Inhalt:
Samantha Kofer ist eine New Yorker Anwältin und hat große Pläne hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft. Pläne, die durchkreuzt werden, als sie plötzlich auf der Straße steht. Man bietet ihr an, sie auf der Warteliste zu halten, wenn sie ehrenamtlich tätig wird. So verschlägt es sie in das Kaff Brady, wo sie auf einmal mit Menschen arbeiten und deren Leid ertragen muss ...

Hardcover

Originaltitel: Gray Mountain
Seitenanzahl: 512
Verlag: Heyne
Erscheinungsjahr: 2015
Sprache: deutsch

Meine Meinung:
Ein neuer Grisham und der erste, den ich gelesen habe, in dem eine Frau die Hauptrolle spielt. 

Samantha ist ehrgeizig, hat einen festgesteckten Lebensplan und ist nur auf ihre Karriere fixiert. 100 Stunden in der Woche langweile Dinge zu bearbeiten sind der Preis, den sie zahlen muss. Bis sie arbeitslos wird und in Virginia das Leid anderer zu spüren bekommt.

In Brady ist nicht nur die Armutsrate recht hoch, sondern es ist auch ein Kohleabbaugebiet, in dem rücksichtslose Konzerne die Natur und die Menschen ausbeuten. Und darum geht es größtenteils in diesem Roman: Kohle, wie sie abgebaut wird und wie einzelne Menschen dagegen ankämpfen. 
An sich könnte man dieses brisante Thema sicher spannend verpacken, nur leider wiederholt sich Grisham oft. Man bekommt die Tragweite dessen nicht ausreichend zu spüren, was es heißt, gegen die Mühlen der Justiz zu kämpfen. Stattdessen schiebt er viele kleinere Fälle ein, mit denen sich Samantha beschäftigt - und im Nachhinein betrachtet, war das wohl gut so, denn gerade diese menschlichen Tragödien gingen nah und retten somit das Buch.

Denn die Menschen dort waren echt, greifbar, während Protagonistin Samantha blass und beinahe unsympathisch wirkt. Auch zum Rest der Charaktere fällt es schwer, eine Verbindung aufzubauen, so toll ihre Ziele und Antriebe auch sind. Mattie, die die Law Clinic betreibt und somit mittellosen Menschen kostenlos hilft, Donovan, der gegen die Kohleunternehmen kämpft oder auch sein Bruder - alle bleiben farblos. Keiner der Schläge, die Grisham einbaut, trifft einen, denn warum auch? Man ist schließlich nur ein Zuschauer. 
Man fühlt sich in Brady nicht heimisch, ich hatte gehofft, dass einem die Bewohner durch irgendwelche Kleinstadtepisoden wie zu Beginn nähergebracht werden. Man ist nicht dort. 
Man fühlt sich dort ebensowenig wohl wie Samantha, ein Punkt, der das Ende fast ins Lächerliche zieht. Sie hätte sich ändern können, hätte einem ans Herz wachsen können, doch die Möglichkeiten wurden einfach nicht ausgeschöpft, vermutlich aus Angst, ins Klischeehafte zu driften.
Ich bin gespannt, wie er das weiterführen will, denn seine neue Heldin überzeugt in keinster Weise - vielleicht sollte er bei den männlichen Akteuren bleiben. 

Die Geschichte ist interessant, zeigt einen Dinge auf, die man nicht kennt, die einen entsetzen, und bietet auch Spannung - aber es ist verschenktes Potenzial, man hätte soviel mehr draus machen können. 
   
Fazit:

Blasse Charaktere in grauer Umgebung
 

Mein Dank gilt Heyne für das Rezensionsexemplar!

Rezension: Revival von Stephen King

Montag, 2. März 2015| | 0 Kommentare

Stephen King - Revival



Inhalt:
Jamie Morton ist 6 Jahre alt, als er Charlie Jacobs das erste Mal begegnet - eine Begegnung, die den Rest seines Lebens ausmachen wird. Im Laufe seines Lebens begegnet er ihm immer wieder, das Schicksal führt sie zusammen, denn es hat einen Plan mit beiden - einen grauenhaften Plan, bei dem Jamie der Schlüssel ist.

Hardcover
Seitenanzahl: 512
Verlag: Heyne
Erscheinungsjahr: 2015
Sprache: deutsch

Meine Meinung:
Der neue King reißt einen von der ersten Seite mit, in denen wir Jamie Morton begegnen, der uns Lesern seine Geschichte erzählt. Von der ersten Begegnung mit dem netten neuen Reverend, der sein bester Freund werden wird, aber bei einem Unfall seinen Glauben an Gott verliert, von seiner Musikerkarriere und Drogensucht, die ebenjener Reverend heilt; die zweite Begegnung. Doch die dritte wird Jamies Leben von grundauf ändern - und nicht nur seines. 


Man verschlingt die Seiten nur so, denn kein anderer wie der Meister kann Alltägliches so faszinierend erzählen, das Familienleben einem so nahebringen. Er erzählt von Sorgen und Ängsten, Glück und das Erwachsenwerden, ohne den Leser zu langweilen. Man erlebt hautnah mit, wie ein Mensch gebrochen wird - so nah, dass es einem schwer ums Herz wird, vor allem, wenn man sieht, wie ein Moment das gesamte Leben einer Person ändern kann.

Jamie entwickelt sich, wird zum Junkie, der nur noch nach dem nächsten Schuß lechzt, aber gerettet wird, es akzeptiert - und schließlich alles in Zweifel zieht. 
Er ist ein Charakter, den man von Kindesbeinen an verfolgt und mag, dem man helfen möchte, wenn er ganz unten ist.
Auch sein Gegenüber, seine Nemesis, der freundliche Reverend, den man mitsamt Familie sofort ins Herz schließt,  verändert sich. Man will nicht, dass er es tut, aber man kann nur dabei zusehen, wie sein Leben nur noch hat nur noch einen Sinn bekommt, was zum großen Showdown führt. Von dem hatte ich mir etwas mehr erwartet, aber nichtsdestotrotz hatte ich Gänsehaut - und King zeigt mit nur wenigen Sätzen, warum gerade er der Meister des Horrors ist, beschwört Bilder herauf, die man sich nicht vorstellen mag. 

Die beiden, die zusammengehören, treffen immer und immer wieder aufeinander und bei jedem Mal haben sich beide mehr verändert - bis man einen von beiden irgendwann nicht wieder erkennt. Nur leider zieht es sich zwischen dem dritten Treffen und dem großen Showdown etwas, was dem ganzen etwas den Schrecken nimmt.

Die meiste Zeit über weiß man eigentlich auch gar nicht, was man eigentlich liest. Eine Geschichte übers Erwachsenwerden, über Verluste und die Drogensucht? Dennoch kann man nicht anders, als weiterzulesen, ist gefesselt, blättert die Seiten um, denn man weiß: irgendetwas wird passieren - so wie Jamie es weiß. Und der Schrecken wird andauern ...   

Ein King, der einen lange herumführt, einem viel zeigt, ein King, bei dem man weiß, dass es zum Unausweichlichen kommen wird - trotz der Längen ein Genuss, der trotz der vielen Seiten schnell weggelesen ist!
   
Fazit:
Something happened




Vielen Dank an Heyne für das Rezensionsexemplar!

Rezension: E-Mail für Holly von Holly Denham

Samstag, 28. Februar 2015| | 0 Kommentare

Holly Denham - E-Mail für Holly



Inhalt:
Holly beginnt ihren neuen Job am Empfang einer großen Bank. Zum Schweigen verdonnert wird die E-Mail ihr einziges Kommunikationsmittel mit alten Freunden, neuen Kollegen und giftigen Zicken. Ob der gefälschte Lebenslauf, das Liebesleben ihrer Freunde oder ihr eigenes - in Hollys Postfach sammelt sich von nun an alles ...


Taschenbuch
Seitenanzahl: 833
Verlag: Goldmann
Erscheinungsjahr: 2009
Sprache: deutsch


Meine Meinung:
Ein Buch, das nur aus E-Mails besteht - interessante Idee. Und es funktioniert - größtenteils.

Da Holly alle Begebenheiten nachträglich schildert, fehlt doch etwas die Nähe und der Kontakt zu den Charakteren, aber dennoch bleibt die Neugierde immer erhalten. 
Holly wirkt auch durch die Mails sehr sympathisch, aber doch auch etwas naiv. Die Schilderungen ihres Liebeslebens, ihre Vergangenheit, alles ist interessant. Allen voran ihr verrückter Freundes- und Familienkreis. Von der flittchenhaften Aisha (die nervigste Person im Buch) über den schwulen Freund Jason (ich mag ihn!), den fetischfreudigen Bruder (wer vertraut dem bitte Geld an?) über die neugierige Mutter (die ich manchmal wirklich so gern geschüttelt hätte) bis zur kompetenten Kollegin Trisha (mit ihren Stahlkappenschuhen!) - Holly ist wahrlich von extravaganten Leuten umgeben. 

Als sie sich in ihren Kollegen verliebt, ist klar, dass Komplikationen nicht ausbleiben - und das am Arbeitsplatz, mit strengen Richtlinien.

Einiges ist ziemlich vorhersehbar, besonders gegen Ende (Klischee, Klischee!). Aber die Unterhaltungen sind einfach unterhaltsam, sodass man einfach wissen muss, wie es weitergeht. Besonders, wenn mal wieder ein Wochenende ohne E-Mails verging. Denn natürlich wird auch telefoniert und getroffen - was man alles im Nachhinein erfährt. 

Die Charaktere sind total überdreht, die Hauptprotagonistin noch die normalste, Klischees schreien auch hallo, aber dennoch: es macht Spaß, die Mails zu lesen und durch eben jene Schreibweise ist man auch ziemlich schnell durch die doch über 800 Seiten durch.

Sicher werde ich auch mal sehen, wie es mit Holly, Aisha, Jason und Co. weitergeht - es deuten sich einige Dramen an!

Fazit:
Überspitzt, aber unterhaltsam





Rezension: Zerbrechlich von Jodi Picoult

Sonntag, 22. Februar 2015| | 1 Kommentare

Jodi Picoult - Zerbrechlich



Inhalt:
Willow O'Keefe ist 6 Jahre alt - und hat bereits über 70 Knochenbrüche hinter sich, davon 7 bereits, bevor sie überhaupt auf die Welt kam. Sie leidet an
Osteogenesis imperfecta, der Glasknochenkrankheit, und kann sich bei der kleinsten Berührung etwas brechen. Seit ihrer Geburt ist in ihrer Familie alles auf sie ausgerichtet. Ihr Vater arbeitet hart, um ihre Arztrechnungen bezahlen zu können, ihre Mutter ist rund um die Uhr für sie da und ihre Schwester steht in ihrem Schatten. Bis sich eine Möglichkeit bietet, die Geldsorgen loszuwerden. Doch dazu müssen ihre Eltern behauptet, es sei besser, sie wäre nie geboren worden ...


Taschenbuch
Seitenanzahl: 624
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsjahr: 2012
Sprache: deutsch


Meine Meinung:

Ich weiß, warum ich normalerweise solche Bücher meide: Sie nehmen mich mit. 

Die Geschichte um Willow ist, wenn auch nicht real geschehen, einfach unglaublich. Jodi Picoult erweckt ihre Charaktere wirklich zum Leben, sodass man mitleidet, mitfühlt.
In diesem Buch kommt jeder Betroffene zu Wort: Willows Mutter Charlotte, ihr Vater Sean, ihre Schwester Amelia, die beste Freundin und Frauenärztin ihrer Mutter Piper und die Anwältin Marin - alle, bis auf Willow selbst. Stattdessen erzählen die verschiedenen Perspektiven ihre Gefühle, richten sich mit ihren Schreiben direkt an Willow.

Es ist schwer, zu zu sehen, wie eine Familie fast zerbricht, eine Freundschaft es wirklich tut, und einem Kind erklärt wird, warum man sagen muss, dass es besser nie geboren worden wäre. Hart, mitzuerleben, wie sich die Schwester einsam fühlt und zu drastischen Mitteln greift, um sich besser zu fühlen.
Am schlimmsten jedoch, wie ein Kind, das spielen und toben sollte, sich bei der kleinsten Anstrengung etwas brechen kann, sein Leben nicht so ist, wie es sein sollte.

Das Allerschlimmste an dem Roman? Es geht Menschen wirklich so. Sie brechen sich immer wieder Knochen, bedürfen Pflege und können ihr Leben nicht so leben - wer will sich das nur vorstellen?

  Ich war voll in der Geschichte eingetaucht, konnte mich dem Sog nicht entreißen. Ich verstand Charlotte, die ihre Tochter einfach nur beschützen und alles für sie tun möchte - selbst, wenn sie das vor Gericht erstreiten muss. Aber auch Sean, der nicht versteht, wie man seinem Kind auch nur gelogen sagen sollte, dass es besser tot wäre. 
Ich verstand Piper, die sich von ihrer Freundin verraten fühlt, da sie die Leidtragende ist, das Leben von Willow finanzieren soll, auf Kosten ihrer Karriere - und ihrer Freundschaft.
Und Amelia tat mir furchtbar leid, wenn ich auch verstehe, dass Willow im Vordergrund stehen muss.

So viele Gefühle, gute wie schlechte, denn jeder liebt Willow abgöttisch (auch ich konnte mich der Kleinen nicht entziehen, die so unsagbar klug ist), alles in einem Buch - und ein Ende, das meine Nerven nicht mitmachten, obwohl ich es ahnte.

Jodi Picoult schaffte es, mich auf eine Reise mitzunehmen, in der ich die volle Bandbreite der Gefühle mitmachte, erweckte ihre Charaktere zum Leben, sodass man sich immer erinnern musste: das ist nicht real passiert! Aber vielleicht irgendwo doch so ähnlich, wer weiß.

Fazit:
Fiktiv, aber doch so real




Rezension: Kein Kuss unter dieser Nummer von Sophie Kinsella

Sonntag, 8. Februar 2015| | 0 Kommentare

Sophie Kinsella - Kein Kuss unter dieser Nummer



Inhalt:
Als Poppy ihren wertvollen Verlobungsring verliert, steht die Welt plötzlich Kopf. Doch als ihr auch noch das Handy geklaut wird, geht sie unter. Um die Suche koordinieren zu können, nimmt sie einfach ein weggeworfenes an sich. Es stellt sich heraus, dass es dem Geschäftsmann Sam Roxton gehört und sein ganzes Leben beinhaltet - in das sich Poppy nun gehörig einmischt  
 
Taschenbuch
Seitenanzahl: 480
Verlag: Goldmann
Erscheinungsjahr: 2012
Sprache: deutsch
 
Meine Meinung:
Ich weiß, man fängt eine Rezension nicht so an, aber dennoch: Hach! Ich glaube, ich habe ein neues Lieblingsbuch aus der Feder von Sophie Kinsella.

Poppy Wyatt ist ein herrlicher Charakter, bisschen naiv, aber selbstbewusst - wenn es um andere geht. Sobald es sich um sie dreht, wird sie unsicher, fühlt sich ihren intellektuellen Schwiegereltern unterlegen. Statt sich um ihr Leben zu kümmern, greift sie in das von Sam Roxton ein. Mit Folgen, die manchmal schwer zu ertragen sind. Man kennt jemanden eben nicht, wenn man nur seine Inbox kennt. Aber sie meint es nur gut - und entlockt dem Leser damit so einige Lacher und Sam so einige Seufzer.

Die "Beziehung" zwischen den beiden ist wirklich interessant und lustig. Wenn Poppy mal wieder tausend Smileys verwendet und Sam ihr geradewegs sagt, was er davon hält - und irgendwann auch von ihm Smileys kommen
Sie geben sich sehr viel und auch der Leser denkt einige Male: jup, das ist wirklich so.
 
Und ganz ehrlich: Sam ist einfach hach! Gegen Ende des Buches bekam ich einige Male Gänsehaut und mir wurde wirklich warm ums Herz.

Nicht nur Sam Roxton ist nicht so, wie der erste Anschein es aussehen lassen will, auch die anderen Charaktere haben das ein oder andere Geheimnis - und fügen sich wunderbar in diese Geschichte ein.

Man baut eine Verbindung zu allen auf, mag sie oder auch nicht, leidet und lacht mit - und auch, wenn man weiß, worauf es hinauslaufen wird, beschert es einem einfach nur ein Glücksgefühl.
Es ist locker, leicht, aber gleitet dabei nie in Kitsch ab.
Für einen Roman dieser Art ist es schwer, sich von dem Buch zu trennen, da man wie gefesselt ist. Von der Story, von den Personen - von allem. Manchmal denkt man "Das kann doch nicht sein", nur um zu erleben, dass es wirklich so ist. Alle Gefühle werden angespielt.

"Kein Kuss unter dieser Nummer" ist einfach rundum gelungen, paart Witz mit einer tollen Story, bringt Romantik und doch die ein oder andere Erkenntnis, die vielleicht nicht neu ist, aber einem ab und zu ins Gedächtnis gerufen werden sollte.

Fazit:
Humor, Gänsehaut und tolle Story



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